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«Es braucht dringend Fachkräfte im Gesundheitswesen»

Um einen drohenden Personalengpass im Gesundheitswesen zu verhindern, braucht es dringend mehr Fachkräfte. Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Personal aus dem Ausland sind mögliche Lösungen.

 

Schweizweit sind im Gesundheitswesen über 15’000 Stellen vakant. Bis 2029 fehlen in Spitälern und Altersheimen rund 20’000 Pflegende, heisst es im nationalen Versorgungsbericht, der 2021 von der Gesundheitsdirektorenkonferenz und dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium veröffentlicht wurde. Händeringend suchen Spitäler und Pflegeheime nach Personal, um mögliche Pflegeengpässe zu kompensieren.

 

Auch das Unispital Basel ist am Anschlag: Mediensprecher Nicolas Drechsler spricht von Kapazitätsgrenzen, die bald erreicht seien. Im Interview mit der «bz Basel» erklärt er, dass die Pflegestandards nur noch mühsam aufrechterhalten werden können. Es braucht dringend Fachkräfte. Spitäler, Altersheime und Kliniken haben enormen Bedarf an qualifiziertem Personal. «Wir sind schweizweit extrem knapp, weil wir zu wenig Pflegepersonal haben – auch ohne Covid. Und das kommt nicht einfach wieder», erklärt Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich gegenüber «SRF».

 

Änderungen in der Arbeitszeit und im Lohn

Nach der Annahme der Pflegeinitiative kommt Bewegung in die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen. «In der Langzeitpflege sind die Pflegenden genauso wichtig wie Medizinerinnen und Mediziner», sagt Martin Gafner, Präsident der Siloah-Gruppe gegenüber «zuonline.ch». Aus diesem Grund wurde in Kliniken und Spitälern der Gruppe die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden reduziert – bei gleichbleibendem Lohn.

 

Schweizer Löhne international überdurchschnittlich

Allein in der Region Basel sind aktuell weit über 300 Stellen im Gesundheitsbereich ausgeschrieben. Besonders in der Akutpflege benötigt es sofort Unterstützung. Und das, obwohl die Löhne im Gesundheitswesen in der Schweiz deutlich höher sind als im Rest Europas. Abhilfe könnte Personal aus dem Ausland schaffen. Unterstützung bieten in diesem Fall Personalvermittlungsbüros. Sie kennen die Branche und sorgen für faire Verträge und eine marktgerechte Entlöhnung.

 

Mithelfen die Notsituation abzufedern

Auch die Rhy Personal AG möchte einen Beitrag zur Lösung leisten. «Wir vermitteln Arbeitssuchende an Spitäler der Region Nordwestschweiz. Dabei profitieren wir von unserem ausgeprägten Netzwerk und langjähriger Erfahrung», sagt Co-Inhaber Michel Wirth.

 

 

Gerne unterstützen wir Sie bei der Suche nach Fachkräften. Melden Sie sich online unter www.rhypersonal.ch, per mail an info@rhypersonal.ch oder unter 061 206 60 00.

 

Gemeinsam zu mehr Sicherheit und sinkenden Kosten

Die Zusammenarbeit zwischen Personalverleiher, Einsatzbetrieb und Suva ist zentral. Arbeitssicherheit und Kosten am Arbeitsplatz: Warum Unternehmen und Versicherer zusammenarbeiten sollten und welche Vorteile es für beide Seiten bringt.

Während die Rolle und Verantwortung von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden bezüglich Arbeitssicherheit im Normalfall klar geregelt sind, agiert die Branche der Personalverleiher unter besonderen Rahmenbedingungen: Das Personal auf der Lohnliste arbeitet nicht in ihrem Unternehmen, sondern bei einem Kunden, dem Einsatzbetrieb. Dieses spezielle Dreieckverhältnis zwischen Verleihbetrieb, Einsatzbetrieb und Mitarbeitenden erhöht die Komplexität der Zusammenarbeit.

Den Trend brechen

Temporärarbeitende sind immer wieder in neuen Betrieben und Funktionen tätig. Ihre Fachkenntnisse und Erfahrungen variieren von Person zu Person, ebenso ihr Bewusstsein für die Arbeitssicherheit. Für letztere ist der Verleihbetrieb als Arbeitgebender sowie der Einsatzbetrieb verantwortlich, beispielsweise durch eine adäquate Ausbildung oder sichere Baustellen. «Die Konstellation der Branche stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen. Nur gemeinsam können Unfallzahlen und -kosten gesenkt werden», erklärt Peter Scheidegger, Bereichsleiter Kundenmanagement der Suva. Fakt ist: Das Unfallrisiko ist bei Temporärmitarbeitenden etwa 20 Prozent höher als bei Festangestellten und das Absenzenrisiko um fast 40 Prozent. Diese erhöhten Risiken spiegeln sich in steigenden Prämien, welche die Verleiher nur beschränkt beeinflussen können.

Prävention ist die beste Investition

Um aktiv Gegensteuer zu geben, haben die Suva und der Branchenverband swissstaffing unter Einbezug von Personalverleihern und Einsatzbetrieben Massnahmen beschlossen, die spezifisch auf die Bedürfnisse der Personalverleiher ausgerichtet sind. Diese werden durch die Suva regelmässig im persönlichen Kontakt angesprochen, beispielsweise bei der Rhy Personal AG in Basel. Ein Unternehmen, das seit rund 17 Jahren Personal vorwiegend ins Bauhaupt- und Baunebengewerbe vermittelt und mit überdurchschnittlich vielen Unfällen seiner Temporärarbeitenden kämpft. Ein Schlüssel zur Reduzierung der Unfälle liegt für Inhaber Michel Wirth in der engen Zusammenarbeit mit seinen Kunden, beispielsweise dem Elektronikunternehmen Selmoni AG. «Nur bei ehrlichen Gesprächen kommt das Thema Arbeitssicherheit konsequent auf den Tisch. So können wir Lösungen suchen und finden», erklärt Marco Suter, Sicherheitsbeauftragter der Selmoni-Gruppe.

Schulungen führen zu mehr Schutz

Eine der ersten gemeinsamen Massnahmen von Suva und swissstaffing sind spezifische Schulungen in den Bereichen «Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz» sowie «Care Management». Die Reaktionen sind erfreulich: So stiessen die Schulungen bei den Personalverleihern auf reges Interesse und wurden als sehr nützlich beurteilt. Bei einem Berufsunfall, der eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat, wird systematisch abgeklärt, bei welchem Einsatzbetrieb der Verunfallte im Einsatz war. Damit kann die Prävention noch gezielter umgesetzt werden. Weiter wurde ein Projekt zur Entwicklung eines digitalen Sicherheitspasses für die Temporärbeschäftigten lanciert. Dieser dient den Arbeitnehmenden als Nachweis der absolvierten Schulungen oder bestätigt ihre Kenntnisse zur Arbeitssicherheit.

Die Suva unterstützt die Verleihbetriebe zudem bei der Einführung interner Sicherheitssysteme. Hier wird zusammen mit swissstaffing eine gemeinsame Branchenlösung angestrebt. Bezüglich der Tarifierung prüft die Suva, ob die Prämiensysteme weiter verbessert werden können, wobei die Prämien nach Gesetz weiterhin risikogerecht festgelegt werden müssen.

Sparpotenzial im Schadenfall

Wenn es trotz Präventionsanstrengungen zu einem Unfall kommt, können durch geeignete Massnahmen im Schadenmanagement Kosten gespart werden. Als Folge der Analyse des Absenzenmanagements der Rhy Personal AG entstanden so unter anderem neue Vereinbarungen, die Temporärarbeitende beim Vertragsabschluss unterschreiben müssen. Darin wurde beispielsweise geregelt, dass temporär Beschäftigte wann immer möglich ihr Arztzeugnis persönlich vor Ort abgeben. Eine weitere Massnahme betrifft die Sachbearbeitenden der Suva, die mit den Verunfallten oder von einer Berufskrankheit betroffenen Personen in regelmässigem Kontakt bleiben und dadurch präziser abschätzen können, wann die Arbeit wieder aufgenommen werden kann.

Zusammenarbeit das A und O

Das Zusammenspiel zwischen dem Verleihbetrieb, Einsatzbetrieb und der Suva bleibt zentral. Michel Wirth bringt es auf den Punkt: «Wir müssen als Unternehmer und Versicherer zusammen und nicht gegeneinander arbeiten». Die Ausgangslage ist vielversprechend, da sie Allen Vorteile bringt: Weniger Unfälle führen zu weniger Kosten für die Versicherung, die Personalverleiher profitieren von sinkenden Prämien, die Einsatzbetriebe von einer tieferen Fluktuation, während das menschliche Leid verringert wird, das mit jedem Unfall verbunden ist.

Autor: Dr. Christian Winiker, Mediensprecher Strategie und Finanzen, Suva